Firmengeschichte

Das Unternehmen steht in der Tradition des namengebenden Antiquariats Wilfried Melchior Antiquariat & Verlag.

Die 1980 als Versandantiquariat gegründete Firma gab in der Folge 69 bibliophil gestaltete Kataloge mit besonderen Themen heraus. Deren Titel handelten von regionaler Landeskunde bis zu Galeriewerken alter Meister. Beachtung fand ein voluminöses Angebot zur Sexualwissenschaft, das Drucke ab 1496 enthielt, darunter das erste Buch mit dem gedruckten Wort "America". Adels- und Historikerbibliotheken fanden Aufnahme in das Warenlager, das sich im Laufe der Zeit zum damals führenden Antiquariat für Genealogie mit weltweiter Kundschaft entwickelte. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, daß es sich schon ab den ersten Jahren im Besonderen den Angeboten über ostdeutsche Städte und Landschaften widmete, deren Pflege von weiten Kreisen in der Bundesrepublik Deutschland bereits damals auf das Abstellgleis gefahren wurde.
Durch die Betriebsverlagerung von Baden-Württemberg nach Brandenburg ab den 2000er Jahren in eigene Räumlichkeiten gehörte das Antiquariat mit seinem Volumen von rund einer Viertel Million Titel sofort zu den größten Buchbeständen im Lande Theodor Fontanes. Nicht umsonst war man für das bedeutendste europäische Antiquariatsportal der erste ostdeutsche Interviewpartner in einer langen Reihe von Persönlichkeiten der Branche. Stets den Blick auch auf den sogenannten "kleinen Sammler" und ein Herz für den Nachwuchs zu haben, waren oft Multiplikator, um auch an ganz große Stücke zu gelangen, ja geradezu einen mehr als beeindruckenden diskreten Bekannten- und Freundeskreis von Kulturschaffenden und "Prominenz" zu gewinnen.
In den ersten beiden Jahrzehnten konnte parallel eine Reihe von schönen oder auch wichtigen Büchern mit südwestdeutschen Fokus herausgegeben werden und so die buchhändlerische Tätigkeit als Verlag mit wohl ausgestatteten Erzeugnissen für Aufmerksamkeit sorgen. Es gelangte unter anderem die Erstausgabe der Kinderzeichnungen des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse unter interessierte Liebhaber, erstaunte das Publikum ein Revolutionsbuch über 1848 mit einem Farbschnitt in Schwarz-Rot-Gold oder erschien als technologischer Meilenstein eine Bevölkerungs-Prosopographie als erste Microfiche-Edition - um nur etwas aus der Produktion von rund 30 Büchern herauszugreifen.
Mit dem Jahr 2015 beendete Wilfried Melchior seine buchhändlerische Tätigkeit und löste das Unternehmen auf, das zuletzt mit einer zweiten sehr geräumigen Betriebsstätte samt Galerie in Burg im Spreewald auch ein Anlaufpunkt für Interessierte der Region war. Im Ruhestand wurden lang gehegte Buchprojekte aus eigener Feder begonnen, das Material von Studienreisen und Expeditionen aufgearbeitet und letztendlich verstärkt ehrenamtliches Engagement fortgesetzt.

Die Gründung eines gleichnamigen Unternehmens durch Barbara Melchior erfolgte 2015 aus emotionalen Erwägungen. „Mit einem weinenden Auge sah ich nach dem betrieblichen Ende meines Mannes immer stärker, die vielen schönen Dinge durch einen Schlag sein Umfeld verlassend, die ganz besonderen Kontakte zu Grabe tragend, ja in ein großes schwarzes Loch des Unvorhersehbaren zu fallen. Hatte ich doch vieles persönlich miterlebt, die Geschenkabholung mit dem Hubschrauber, Bestellung eines 102jährigen, oder einfach nur die Frage eines Vorstandsvorsitzenden, ob denn bei den 3,00 EUR "noch was geht" – so verlautbarte damals die Entschlossene und kaufte den Warenbestand samt eingeführten Namen und wirkte verantwortlich bis zu Ihrem Ruhestand im Jahr 2022 als Schlußpunkt Ihrer beliebten Firma in Brandenburg.

Mit einer Neugründung im Herbst 2022 in Baden-Württemberg knüpft das Unternehmen im Mainhardter Wald auf sein positives Wirken samt langjährigen beruflichen Erfahrungen an die südwestdeutschen Wurzeln der einstigen Firma an. Unterstützt durch den Erwerb des wissenschaftlich sortierten Warenlagers und begleitet von der Vorgängerin ein Weg zum Hier und Heute.

Wilfried Melchior